Sport und Demenz: Mehr als ein Geheimrezept

Demenz ist eine Herausforderung, die nicht nur den Erkrankten betrifft sondern die ganze Familie angeht. Wenn ein Mensch seine Erinnerungen verliert und seine geistigen Fähigkeiten nachlassen, ist er nicht nur auf Unterstützung angewiesen sondern gemeinsam mit der Familie mit einer völlig neuen Lebenssituation konfrontiert. Sportangebote wirken positiv auf die körperliche Gesundheit und stärken durch ihre soziale Komponente auch die Selbstsicherheit und Selbständigkeit der Betroffenen.

 

Im dreijährigen Modellprojekt „Sport für Menschen mit Demenz“ entwickeln der Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW und der Landessportbund NRW seit 2014 nachhaltige Sportangebote für Menschen mit Demenz, mit Erfolg.

 

Gesundheit fördern – Lebensqualität erhalten

Ziel des Modellprojektes ist es, die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Demenz durch Bewegungs- und Sportaktivitäten zu verbessern. Sport ermöglicht soziale Teilhabe auf der einen Seite und kann auf der anderen Seite die Sicherheit und Selbstständigkeit der Betroffenen stärken.

Im Mittelpunkt des Modellprojekts steht die Entwicklung von Angeboten, die zu den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz passen und sich leicht in ihren Alltag und ihre Lebenswelt integrieren lassen. Damit das gelingt, setzt das Modellprojekt auf die Zusammenarbeit von Partnern aus Sport, Wohlfahrt, Pflege und Demenzberatung.

 

„Tandem“ aus Sport und Pflege

Geschulte Übungsleiter aus Sportvereinen arbeiten zusammen mit Pflegekräften, die die Erkrankung und die Betroffenen aus ihrer täglichen Arbeit kennen. Sie bilden ein „Tandem“. Beide Seiten bringen ihre Kompetenzen ein und erweitern in der Zusammenarbeit ihr Wissen und ihre Fähigkeiten. Das Modellprojekt „Sport für Menschen mit Demenz“ unterstützt die Zusammenarbeit mit Schulungskonzepten für Übungsleiter, Pflegekräfte und auch für pflegende Angehörige. So profitieren alle Beteiligten von dem Modellprojekt und arbeiten gezielt zusammen.

Das Modellprojekt, das vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und von den Pflegekassen in NRW gefördert wird, hat von 2014 bis 2016 bereits an 73 Standorten in NRW neue Sportangebote für Menschen mit Demenz und für ihre Angehörigen geschaffen.

 

Tanztee, Wandern oder Boccia

Dabei ist das Angebot breit gefächert: Tanztee und Wandern, Boccia, Gymnastik oder Judo können in Angeboten des Breitensports, des Reha-Sports oder in Hilfe- und Betreuungsangeboten genutzt werden. Darüber hinaus gibt es Parallelangebote für pflegende Angehörige.

Sport ist für Menschen mit Demenz eine Möglichkeit, weiter am sozialen Leben teilzunehmen. Bewegungs- und Sportaktivitäten fördern die körperliche Funktion, die Kognition und die psychosoziale Gesundheit. Sie sind ein Gewinn für die Betroffenen und stellen für die pflegenden Angehörigen ein Angebot dar, das sie von der permanenten Verantwortung für den Demenz-Kranken für eine Weile entlastet.

Zum Beispiel Neuss: Vier Angebote für Menschen mit Demenz

Die Turngemeinde Neuss (TG Neuss) hat im Modellprojekt insgesamt vier Sportangebote für Menschen mit Demenz entwickelt. In der Zusammenarbeit mit einer Selbsthilfegruppe für Demenz-Betroffene entstand ein Sport- und Bewegungsangebot für Demenz-Kranke und ihre Angehörigen. Sturzprophylaxe gehört hier genauso zum Übungsprogramm wie Einheiten für Zuhause und Spiel und Spaß.

Drei weitere Gruppenangebote hat die TG Neuss gemeinsam mit der Pflegeeinrichtung Haus St. Georg entwickelt. Dort nehmen einmal in der Woche jeweils acht bis zehn Menschen mit Demenz und ihre Betreuer an Sportangeboten wie Tanz oder Gymnastik im Sitzen teil.

Die Angebote der TG Neuss gehen über den Seniorensport eines Sportvereins weit hinaus. Sie berücksichtigen die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und schließen auch die Angehörigen in die Überlegungen ein. Für den Sportverein bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz eine große Herausforderung. Seit dem Projektstart haben sich dort viele Übungsleiter für Fortbildungen engagiert, um passende Angebote ausbauen und betreuen zu können.

 

Förderprojekt hat Leuchtturm-Charakter

Die ersten Ergebnisse des Modellprojekts „Sport für Menschen mit Demenz“ machen Hoffnung und zeigen, wie sich Betroffene trotz ihrer Erkrankung aktiv für ihre Gesundheit engagieren können und dass es sich lohnt, für ein Mehr an Lebensqualität und sozialer Teilhabe zu kämpfen. Wenn Sie mehr wissen möchten, besuchen Sie die Website des Modellprojekts oder suchen Sie ein Projekt in Ihrer Nähe auf der Internetseite des Projekts unter https://www.brsnw.de/demenz.html.

 

Sie wollen mehr wissen?

Dr. Georg Schick ist Geschäftsführer im Modellprojekt und steht für Fragen per Telefon (Tel. 0203/7174149) oder per E-Mail schick(at)brsnw.de zur Verfügung.

 

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